Der 1. Beethovenpreis für Menschenrechte

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Aeham Ahmad, der Beethovenpreisträger

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Ibrahim Keivo

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Backstage: Martha Argerich mit Akane Sakai

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benefizkonzert und Verleihung des ersten Beethovenpreises in der Bonner Kunsthalle
Das Publikum zeigte sich in bester Feierstimmung beim ausverkauften Benefizkonzert zugunsten junger Flüchtlinge in Bonn und zur Verleihung des ersten Beethoven Preises an den syrisch-palästinensischen Musiker Aeham Ahmad. Der Initiativkreis Beethovenpreis und Deutschlandradio Kultur hatten die Veranstaltung am 18. Dezember 2015 in Kooperation mit der Bundeskunsthalle erstellt. Der Abend wurde vom Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet und stand unter der Schirmherrschaft von Bundesminister Dr. Gerd Müller. Der Reinerlös von rund 10.000 Euro kommt ASA e.V. (Ausbildung statt Abschiebung ) zu Gute.
Initiiert wurde der Preis von Torsten Schreiber und Andreas Loesch im Sinne der Ziele der Beethovenakademie. Der Preis ist Anfangs – und Eckpunkt einer nachhaltigen Struktur Der Akademie, die sich der Schnittstelle der Musik Beethovens im Kontext seiner Ideale widmet: Frieden, Freiheit, Menschenrecht, Armutsbekämpfung und Inklusion.
Ein herzliches Grußwort an Aeham Ahmad von Bonn’s neuem OB Ashok Sridharan im Programmheft erfasste den Sinn des Preises für Aeham Ahmad und unterstütze die Wichtigkeit des Initiative des Preises: “ Sie haben im Angesicht von Krieg und Terror die universelle und humane Kraft der Musik beschworen, als sie Ihr Klavier durch die Straßen des durch den syrischen Bürgerkrieg verwüsteten Flüchtlingslager Jarmuk geschoben und mit Ihrer Musik Ihren Mitmenschen einen Moment der Hoffnung gegeben haben.“
Volker Michael vom Deutschlandradio Kultur, der das gesamte Programm kompetent und frisch moderierte, eröffnete den Abend. Der Solocellist des Bonner Beethovenorchesters, Christian Brunnert und die Pianistin Luisa Imorde begrüßten das Publikum, in dessen ersten Reihe auch junge Flüchtlinge saßen, mit einer schwungvollen und stilsicheren Wiedergabe des 1. Satzes der Sonate von Ludwig van Beethoven C-Dur op 102. Im Anschließenden Gespräch mit Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle, Wolfgang Grießl, IHK Bonn/Rhein-Sieg und Karin Ahrens, AsA e.V. wurde Wichtigkeit und Ziele der Veranstaltung betont. Kinan Azmeh, Klarinette , und Karim Said, Klavier, brachten leise und weiche Klänge meisterlich zu Gehör in Johannes Brahms 2. Satz seiner Sonate für Klarinette f-moll. Kinan Azmeh wurde in Damaskus geboren und gewann u.a. als erster arabischer Musiker den 1. Preis des Internationalen Nicolay Rubinstein Wettbewerbs. Karim Said wurde in Amman geboren, studierte in England und spielt als Solist häufig mit dem West – Eastern Divan Orchester unter der Leitung von Daniel Barenboim zusammen. Vor kurzem wurde Said Mentée des Beethovenhauses Bonn.
Es folgte ein kurzes Interview mit Torsten Schreiber, Andreas Loesch und Prof. Christian Brunnert zu dem Gedanken der Preisverleihung des Beethovenpreises und dem Projekt Beethovenakademie. Die Ziele stehen ganz und gar im Zeichen der Humanität. Konzerte und Meisterklassen sollen eine „open academy“ für alle Menschen sein, besonders für jene, denen der Zugang zu solchen Ereignissen sonst schwer fällt: Flüchtlinge, Menschen mit Behinderung und finanziell Benachteiligte. Prof. Brunnert fand sehr bewegende Worte dafür, dass gerade die Musik und die Musiker darum wissen, wie selbstverständlich es sein sollte, alle Menschen mit der Musik zu erreichen und keine Unterschiede zwischen ihnen zu sehen, egal welcher Nationalität sie angehören.
Karim Said spielte anschließend die Eroica-Variationen von Beethoven in einer Intensität und Perfektion, dass der Zuhörer das Gefühl bekam, die Spannung zöge ihn aus seinen Platz empor. Auf diesem hohen Level der Emotion folgte Kinan Azmeh mit einer melancholischen eigenen Komposition für Klarinette solo „ A sad morning, every morning“.
Ibrahim Keivo aus Al Jazira tritt mit Liedern aus Syrien auf, die er der ethnischen Vielfalt des Landes entnimmt. So singt er auf arabisch, kurdisch, aramäisch, assyrisch und armenisch. An diesem Abend begleitete er sich selber auf dem traditionellen Bouzouk, einer Art Langhalsgitarre. Keivo’s Großvater, armenisch-syrischer Abstammung, überlebte als Kind die blutige Verfolgung der Armenier, weil eine jesidische Familie ihn versteckte. Diesem Schicksal von Not, Vertreibung, Heimatlosigkeit und Tod verlieh Keivo in seinem „Lamento“ solche Eindringlichkeit von Trauer und Schmerz, dass man manch einen der Zuhörer mit Tränen- nassen Augen in die anschließende Pause gehen sah und mit der Erkenntnis, dass die universellen Gefühle in uns verstanden werden, auch wenn man die Sprache, in der sie geäußert werden, nicht kennt.
Nach der Pause hielt Dr. Friedrich Kitschelt, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Laudatio auf den Preisträger Aeham Ahmed, und es kam zu spontanen Umarmungen auf der Bühne, als Aeham Ahmad die sehr anmutige Skulptur „Evolute“ aus Alabaster überreicht wurde. Bildhauer Dirk Wilhelm stiftete großzügig diese in eleganter, geschwungenen Form gehaltene Preistrophäe, deren Aussagekraft beeindruckt. Sichtlich gerührt erzählte Aeham Ahmad etwas über das, was er in Jarmuk getan und erlebt hat, bevor er sich ans Klavier setzte und einige seiner Lieder vortrug. Nicht abgesprochen erschienen plötzlich Kinan Azmeh mit Klarinette und Ibrahim Keivo mit dem Bouzouk auf der Bühne und alle drei Musiker improvisierten ein leidenschaftliches Plädoyer für den Frieden in Syrien, welches jedem einzelnen Zuhörer im Saal „unter die Haut ging“.
Die großartige Martha Argerich hatte sofort zugesagt, an diesem Abend ohne Gage mitzuwirken und brachte ihre Duopartnerin Akane Sakai mit. Ihr Spiel verzauberte. Zurück führte der Bogen in die Klassik mit Johannes Brahms „Variationen über ein Thema von Joseph Haydn“ für 2 Klaviere. Gelöst, mit schlafwandlerischer Sicherheit im Zusammenspiel und Interpretation bescherten beide Künstlerinnen dem Publikum einen exquisiten Genuss. Mit Verve folgte dann „La Valse“ von Maurice Ravel in der Fassung für 2 Klaviere – bravourös!
Zum Abschluss gab es dann noch einen jazzigen „Kehraus“ mit dem Stück von Bruce Stark „Ode to Ode to joy“, fulminant dargeboten vom „Punk – Pianisten“ Kai Schumacher, der kunstvoll die Genre von klassischer Avantgarde und Pop zu vereinigen vermag und diesen Weg beschreitet, nachdem er seine klassische Klavierausbildung mit Konzertexamen und Auszeichnung 2009 abgeschlossen hat.
Eine kurzweilige Veranstaltung von 3 ¾ Stunden fand damit ein Ende. Ein Abend voller musikalischer Höhepunkte, deren verschiedenen musikalischen Stilrichtungen einander nicht ausschlossen, sondern ergänzten und bereicherten und das Publikum bewegte und berührte. Ein Abend ohne jeden Spannungsverlust – und ein Beispiel für eine neue, frische „Beethovenszene“ in Bonn. Ein Abend, der in jeder Richtung Hoffnung erweckt hat!

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Riesen-Applaus für alle Künstler