Erinnerung an Johannes Wasmuth

„Ein großzügiger Mensch und ein Freund Israels“
Hagai Shaham und Arnon Erez erinnern sich an Johannes Wasmuth

Musik trifft Kunst: Benefizkonzert an einem ungewöhnlichen Ort. Das Trio Shaham-Erez-Wallfisch trat im Atelier des Bonner Malers Michael Franke auf. Ein Hörgenuss vor leuchtend großformatigen Bildern. Und eine Gelegenheit, Erinnerungen auszutauschen.

Haydn, Beethoven, Brahms und zum Schluss noch eine Prise Mendelssohn als Zugabe – Klaviertrios vom Feinsten, perfekt gespielt, voller Schwung und Eleganz. Arnon Erez (Piano), Hagai Shaham (Violine), Raphael Wallfisch (Cello) waren kurz vor einer Tournee durch europäische Städte ins Bonner Umland gekommen und bereiteten den Zuhörern – Mitglieder der Wasmuth-Gesellschaft und Freunde der Familie Franke – einen Abend der Extraklasse. Gastgeber Michael Franke, der nur wenige Stunden zuvor erst von einem einjährigen Studienaufenthalt aus Italien zurückgekehrt war, hatte das geräumige Atelier noch mit ganz frischen malerischen Eindrücken ausgestaltet, Bilder von großer Farb- und Leuchtkraft, viele davon inspiriert durch die Kunst der antiken Etrusker.

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Im Atelier Franke nach dem Konzert

Es gab an dem Wochenende aber auch Gelegenheit, die Musiker anderswo zu treffen – beim nächtlichen Essen in privatem Kreis, beim Imbiss im alten Rheinhotel Bellevue und schließlich in einem gemütlichen Godesberger Lokal. Und immer war dabei auch von einem die Rede, der schon lange nicht mehr unter den Lebenden weilt: dem Impresario und Konzertveranstalter Johannes Wasmuth.

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Die Künstler in einer Godesberger Kneipe

 

Hagai Shaham und Arnon Erez trafen ihn 1981 zum ersten Mal, sie waren fünfzehn und von Wasmuth nach Deutschland eingeladen worden: „Meine erste Auslandsreise“, erinnert sich der Violinvirtuose, „ Chaim Taub hat das Israel Philharmonic Orchestra dirigiert und ich habe mitgespielt“. „Wir haben Musik mit verschiedenen Leuten gemacht, auch Trio gespielt“, ergänzt Erez, „ Hagai und ich sind ganz alte Freunde!“ Freilich – die Kommunikation war nicht immer einfach damals. Wasmuth habe kein Englisch gesprochen – aber sein einnehmendes Wesen und, vor allem, sein Lächeln habe vieles wettgemacht. „Er war warmherzig, großzügig und freundlich“, schildert Hagai Shaham seine Eindrücke. Und er hatte offenkundig ein Herz für schüchterne Teenager aus Israel:“ Es gab ja immer Empfänge, nach den Konzerten, da durfte ich dann sogar Champagner trinken!“

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Torsten Schreiber und Arnon Erez

 

Für die jungen Musiker hatte Wasmuth ideale Bedingungen geschaffen: „Er hat Tourneen für uns organisiert und wir konnten mit berühmten Künstlern zusammen spielen und auftreten, die Konzerte waren immer voll.“ Erez erinnert sich daran, dass sein Freund Hagai einmal in einem Quintett mit Pinchas Zuckerman musizierte. Johannes Wasmuth sei aber auch ein meisterhafter Strippenzieher gewesen. Er habe Menschen zusammen gebracht und mit großer Eloquenz Künstler bewogen, in seinen Konzerten aufzutreten. Und offenkundig hatte er auch ein Talent zum Verhandeln, wenn es um finanzielle Dinge ging. Das erfuhr vor vielen Jahren eine Freundin von Hagai Shaham: Sie hatte bei Sponsoren eines großen deutschen Unternehmens eine Zuwendung von 1000 Mark ergattert und berichtete Wasmuth bei einer zufälligen Begegnung im Aufzug freudestrahlend davon. Wasmuth, der ebenfalls bei dem Unternehmen vorgefühlt hatte, sagte „Toll. Aber ich hab eine Million bekommen!“
Johannes Wasmuth war ein Förderer der Künstler, und gleichzeitig, wie die beiden israelischen Musiker betonen, auch ein Kosmopolit im besten Sinne. Er habe Menschen aus vielen verschiedenen Ländern zusammengebracht, aber seine besondere Zuneigung habe Israel gegolten: „Er war ein großer Freund unseres Landes“, erinnern sich Shaham und Erez. Wasmuths Engagement für das kleine Land im Nahen Osten war damals etwas Besonderes, die kulturellen Kontakte dorthin gehörten noch nicht zur politisch-gesellschaftlichen Routine.
Die Gründung der Wasmuth-Gesellschaft mit ihren kulturellen Aktivitäten finden sie gut. Das in die Jahre gekommene Hotel Rheingold Bellevue mit dem Arp-Museum in der unmittelbaren Nachbarschaft – für sie ein idealer Ort, um die Traditionen Wasmuths fortzusetzen. Nicht um ihm zu huldigen wie einem leblosen Denkmal, nein: „Dieser Ort könnte eine Brücke werden, dieser Ort lebt und sollte weiter lebendig bleiben.“

Autorin: Cornelia Rabitz
Fotos: Jürgen Hube