Rolandseck Sommerfestival 2014

Die musikalischen Leiter des diesjährigen Rolandsecker Sommerfestivals Guy Braunstein und Ohad Ben-Ari und alle Musikerfreunde haben sich pudelwohl gefühlt im alten Hotel Rheingold Bellevue am Rhein.

 

Hier konnten sie üben, essen,Rolandseck festival 2014 2 sich entspannen und das Leben genießen.

 

Rolandseck Festival 2014 1korr                                                                                                                      Musikerleben im Rheingold

Auftaktkonzert

Auftaktkonzert zum 9. Rolandseck-Festival

Da Chaim Taub (Geige) erkrankt war, konnte das Abschlußkonzert seines Meisterkurses nicht stattfinden.

Deshalb organisiPreconcert-3-7-2014-1erte die Johannes Wasmuth Gesellschaft einen Konzertabend mit den beiden musikalischen Leitern des 9. Rolandseck-Festivals Guy Braunstein (Geige) und Ohad Ben-Ari (Klavier). Sie spielten Beethovens Sonate Nr.4, a-moll. Zusammen mit Zvi Plesser (Violoncello) erklang dann Schuberts Trio-Sonate Nr. 2 Es-Dur. Eine meditative Stille breitete sich aus. Ergriffen lauschten die Zuhörer vor allem dem 2. Satz dieses tief berührenden Werkes. Nicht enden wollender Applaus und Bravorufe!

 

Preconcert-3-7-2014-3 Nach dem Konzert versammelten sich alle auf dem Vorplatz des Museums zu einem Glas Wein und anregenden Gesprächen.   Preconcert-3-7-2014-4

Gesprächskonzert mit Lucas Brunnert und Christoph Schlüren

Kulturelle Wiederbelebung des alten Hotels Rheingold Bellevue in Rolandseck im Rahmen der ersten West Eastern Summer School Lucas Brunnert gestaltete im Rahmen der ersten West Eastern Summer School ein sonntägliches Gesprächskonzert. Die Musikjournalistin Cornelia Rabitz moderierte das Gespräch zwischen dem jungen Bonner Geiger und seinem künstlerischen Lehrer Christoph Schlüren. brunnert 2 Hierbei erfuhr man vieles über die heutige Musikausbildung und die Gefährdung durch Wettbewerbe, die auch zu einer musikalischen Gleichförmigkeit führen können. Brunnert und sein “Coach“ streben eine individuelle musikalische Aussage und Tönung an. Zudem ist es beiden ein Anliegen, unbekanntere Komponisten wiederzuentdecken. Heinz Schubert und Eduard Erdmann komponierten während des dritten Reiches und gerieten danach in Vergessenheit, wohl auch durch ihre Berührung mit den „Mächtigen“. Schubert wurde noch zum Volkssturm eingezogen, weil Furtwängler ihn nicht mehr schützen konnte. Er fiel in den letzten Kriegstagen.     brunnert 3Nach den Sonaten dieser beiden Komponisten brillierte Brunnert solo mit Werken von Bach, Prokofieff, Söderlind und Ysaye. Ein starker Auftritt an einem besonderen Ort vor dem herrlichen Rheinpanorama! brunnert 1

5. Rheingoldkonzert

Kulturelle Wiederbelebung des alten Hotels Rheingold Bellevue in Rolandseck   Ein Ständchen zu Robert Schumanns Geburtstag spielte Luisa Imorde im alten Hotel Rheingold Bellevue in Rolandseck. Es war das fünfte „Rheingoldkonzert“ das viele Musikfreunde am Pfingstsonntag an diesen besonderen Ort zog, der durch Musik zu neuem Leben erwacht. Luisa Imorde am Flügel Auch die junge Pianistin, die noch in Salzburg studiert und in Bonn früh durch „Beethoven Bonnensis“ bekannt wurde, ließ sich animieren und ergänzte ihre Tournee mit diesem Konzert an diesem besonders inspirierenden Ort. Nach Beethovens Sonate E-Dur Op.109 erklang die 2. Sonaten-Fantasie von Skriabin und nach der Pause ein Werk des Geburtstagkindes, Robert Schumanns Sonate Nr.1, fis-Moll, Op.1. Der im Sonnenschein funkelnde Rhein, Schiffe, Spaziergänger und Radfahrer, die erstaunt verweilen, bilden den einmaligen Hintergrund der Rheingoldkonzerte, die Publikum und Künstler gleichermaßen entzücken.

Luisa-Imorde-5. Rheingoldkonzert-8-6-2014
Luisa vor dem „Malerblick“
Luisa Imorde Umtrunk
Beim traditionellen Umtrunk nach dem Konzert

Sonntagskonzert mit Akane Sakai im Hotel Rheingold Bellevue

Kulturelle Wiederbelebung des alten Hotels Rheingold Bellevue in Rolandseck im Rahmen der ersten West Eastern Summer School   Sonntagskonzert mit Akane Sakai (Klavier) im alten Hotel Rheingold Bellevue in Rolandseck: Die japanische Pianistin, die in Brüssel lebt, spielte die Mondscheinsonate von Beethoven, Mazurken von Szymanowski und Maciejewski und die Ballade Nr. 1, op 23 von Chopin.Rheingold1.6.14 -s3Rheingold 1.6.14 s An der Musik vor dem  Rhein, der im Sonnenschein funkelte, erfreuten sich nicht nur die begeisterten Musikfreunde, sondern auch Spaziergänger und Radfahrer, die erstaunt verweilten, weil das uralte historische Hotel durch ungewohnte Klänge wieder zum Leben erwacht.

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Akane Sakai mit Torsten Schreiber vor dem „Malerblick“
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Der älteste Musikfreund spielt am Ende des Nachmittags ein Ständchen für die Künstlerin

Benefizkonzert mit Guy Braunstein und Ohad Ben-Ari

Benefizkonzert mit Guy Braunstein und Ohad Ben-Ari
im alten Hotel Rheingold Bellevue in Rolandseck

Im Zusammenhang mit dem 9. Rolandseck-Festival und der 1. West Eastern Summer School konzertierten Guy Braunstein und Ohad Ben Ari in dem alten Hotel Rheingold Bellevue. Mit ihrem Benefizkonzert wollen sie das musikalische Geschehen in Rolandseck unterstützen und durch ihr Können an Johannes Wasmuth, seine Ziele und Ideale erinnern. Rheingold-28-5-2014-1
Schon als Kinder nahmen beide Künstler an den von Johannes Wasmuth und Chaim Taub gegründeten Sommerkursen teil und haben sich seitdem den Idealen der Völkerverständigung und musikalischen Jugendförderung verpflichtet gefühlt. Auch aus diesem Grund haben Guy Braunstein und Ohad Ben-Ari die Ehrenmitgliedschaft der Johannes Wasmuth Gesellschaft erhalten, wie Almuth Becker-Löhr, die 2. Vorsitzende in ihrer Laudatio erwähnte.
Guy Braunstein (Violine) und Ohad Ben-Ari (Klavier) spielten zwei Beethovensonaten, zu Beginn die Sonate Nr. 3 es-dur und nach der Pause die Sonate Nr. 7 c-moll zur großen Freude der Musikfreunde. Aber auch die Künstler ließen sich von der Atmosphäre des ungewöhnlichen Ortes und dem Engagement der versammelten Menschen animieren und verweilten noch lange bei interessanten Gesprächen.

Ehrenmitglieder: Guy Braunstein und Ohad Ben-Ari mit Almuth Becker Löhr (2. Vorsitzende der Johannes Wasmuth Gesellschaft) und Torsten Schreiber (Künstlerischer Leiter)
Ehrenmitglieder: Guy Braunstein und Ohad Ben-Ari mit Almuth Becker Löhr (2. Vorsitzende der Johannes Wasmuth Gesellschaft) und Torsten Schreiber (Künstlerischer Leiter)

Auftaktkonzert der Summer School:

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„Aus dem Schlaf erweckt“

Äußerlich sieht das Gebäude noch grau und recht mitgenommen aus – man ahnt nichts von der einstigen Pracht des früheren Hotels, das einmal bevorzugtes Ziel vieler Sommerfrischler gewesen ist. Im Inneren aber sind Fortschritte unübersehbar. Davon konnten sich rund 70 Interessierte bei einem Konzert selbst überzeugen: Eine Wiedererweckung anlässlich des Auftakts der ersten „West Eastern Beethoven Summer School“. Ein bisschen macht das „Hotel Rheingold Bellevue“ seinem schönen Namen wieder Ehre: Der große Empfangsraum im Erdgeschoss mit dem herrlichen Panoramablick zum Rhein ist inzwischen nicht nur aufgeräumt, er steht auch als Raum für Konzerte zur Verfügung: „Niemand muss mehr befürchten, dass ihm hier die Decke auf den Kopf fällt“, sagt Raimund Maschita. Der Architekt – Mitglied in der Johannes Wasmuth Gesellschaft – hat zusammen mit Statikern dafür gesorgt, dass ein Gerüst eingezogen wurde. „Ich bin selbst ganz froh darüber und komme jetzt lieber hierher“, sagt der Frankfurter mit Wohnsitz in Oberwinter.

P1030493 Ein Gerüst im Konzertsaal? Nun ja. Wo vor ein paar Tagen noch hässliche Stahlträger, Metallteile und altes Holz zu sehen waren, spannen sich jetzt golden leuchtende Stoffbahnen an Decken und tragenden Elementen. Das gibt dem Raum ein ganz eigenartiges, an ein Theater erinnerndes Flair. Ein glücklicher Zufall hat es gefügt. Torsten Schreiber begegnete dem ehemaligen Bühnentechniker Simon kurz vor dem Start der Summer School. Der künstlerische Leiter der Wasmuth-Gesellschaft berichtet:“ Herr Simon hat mich vor ein paar Tagen kontaktiert, er wollte uns unterstützen, er ist ja Experte für Bühnenausstattung. Dann haben wir die Goldfolie bestellt, es wurde genäht – und er hat im Eiltempo in nur eineinhalb Tagen die Folie an der Decke und einigen Gerüststangen angebracht.“   Kein Wunder, dass es beim ersten Konzert viel „Ah“ und „Oh“ gegeben hat: Die etwa 70 Zuhörer waren überwiegend begeistert. Und nicht nur sie – auch die Künstler.

Vier Tage lang hatten sie, zwischen Leitern, Holzleisten und riesigen Stoffbahnen intensiv geprobt und waren zuletzt fast enthusiastisch. „Es hat einen Riesenspaß gemacht“, sagt Jonathan Aner, israelischer Pianist mit Professur in Berlin. Aner hat hier junge Streicher betreut und begleitet, darunter die in der Schweiz lebenden Cellistin Sayaka Studer. Das Duo präsentierte die 1. Cellosonate von Brahms als furioses Werk, zupackend und farbenreich. Ungewöhnlich geriet der Auftritt mit Jonathan Aner am Klavier, dem aus Nazareth stammenden erst 17 Jahre alten Yamen Saadi an der Geige und dem nur wenig älteren türkischen Cellisten Dogus Ergin. Nach Mendelssohns Trio in c-moll spielten sie eine sehr originelle Zugabe. Der Pianist: „ Wir haben ein Stück Wüste mit gebracht – wenn hier schon drei Musiker aus verschiedenen Ecken Europas und dem Nahen Osten gemeinsam musizieren!“ Gespielt wurden drei beduinische Tänze, arrangiert und bearbeitet für Klaviertrio.

Yamen Saadi sagt anschließend, dass er gerne wieder kommen würde an diesen ungewöhnlichen Ort. Noch führt er ein anstrengendes Leben zwischen Nazareth – wo er mit seiner Familie wohnt -, Tel Aviv – wo er am Konservatorium studiert – und Berlin. Dorthin fliegt er immer wieder zu Probenphasen des West Eastern Divan Orchestras, in dem er bereit im Alter von 11 Jahren mitgespielt hat. Bellevue-West-Eastern-25-5-2014-7 Musik verbindet.Dass Musik Grenzen überschreitet und Menschen sehr unterschiedlicher Kulturen zusammenbringt, hat diese Summer School – übrigens unter der Schirmherrschaft von Beethovenfest-Chefin Nike Wagner – aufs Schönste gezeigt. So entstehen auch neue Perspektiven.

Myriam Farid – Artist in Residence der Wasmuth Gesellschaft – und Or Re’em aus Israel zeigten sich mit Musik von Ravel, Schubert und Poulenc als kongeniales Duo am Flügel. „Wir wollen was draus machen“, sagt die aus Ägypten stammende Pianistin, „es hat einfach zu gut harmoniert!“ Ihr Klavierpartner ergänzt: „Damit hätte ich nicht gerechnet. Wir kannten uns ja nicht vorher und es hat so gut funktioniert!“ Ende Juni wird die Summer School mit weiteren jungen Musikern aus verschiedenen Ländern fortgesetzt. Torsten Schreiber, der sich ganz dem Geist des 1997 verstorbenen Johannes Wasmuth verpflichtet fühlt, ist zuversichtlich: „Wieder ein Fortschritt hier im Hotel Rheingold Bellevue! So muss es weitergehen. Es ist so, als sei der alte Ort jetzt aus dem Schlaf erweckt.“

Autorin: Cornelia Rabitz